Interview mit Thomas Anders

Das Interview führte Josefine Huber
Quelle: AUD!MAX:




Gestatten: Anders

Von Josefine Huber.

 
Das aktuelle AUD!MAX-Heft steht unter dem Motto: "Anders". Da darf Bernd Weidung nicht fehlen. Der Mann ist nämlich tatsächlich anders, und zwar: Thomas Anders. Ein Interview.

 

Herr Anders, warum haben Sie sich "anders" genannt?
Eigentlich heiße ich Bernd Weidung. Vor 25 Jahren muss-te man als Sänger einen gefälligen Namen haben. Heute, wo Mädels wie Christina Aguilera Karriere mit ihren Namen machen, dürfte Bernd Weidung auch kein Hindernis mehr sein. Außerdem heißt der damalige Geschäftsführer der Plattenfirma Anders mit Nachnamen und mein damaliger Produzent dachte, man könnte vielleicht mehr Budget für mich freischaufeln, wenn ich auch so heiße.

Wer nennt sie Thomas, wer Bernd?
Im Business nennt man mich Thomas, für Freunde und Familie bin ich Bernd. Ich würde die Krise kriegen, würde mich meine Mutter Thomas nennen! Meine Frau nennt mich Schatzi.

Warum haben Sie Ihr Germanistikstudium abgebrochen?
Da muss man meinen Weg kennen. Mit 7 stand ich zum ersten Mal auf der Bühne, mit 11 hab ich ein Album aufgenommen. Ich wollte immer mit Musik erfolgreich werden. Wenn man Uni halbwegs vernünftig machen will, kostet das aber Zeit. Deshalb bin ich zu meinen Eltern, sagte, gebt mir 'ne Deadline, bis ich 25 bin. Wenn ich dann noch nicht von der Musik leben kann, steht die Uni immer noch und ich kann weitermachen. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, wenn man älter ist, als festzustellen, dass man einem Traum hinterherhängt, der nicht mehr zu verwirklichen ist, weil die Zeit vorbei ist.

Nach Modern Talking waren Sie als Solo-Künstler zwar erfolgreich, standen aber nicht im Medieninteresse. Warum?
Ich war in einer Schublade, und die Deutschen lieben ihre Schubladen. Ich hab in den 80er Jahren extrem polarisiert, mit Nora-Kette, mit rosa Lipgloss, mit androgynem Aussehen. Die Schublade war dankbar, man konnte sie auch gar nicht verschließen, weil sie permanent offen war.

Sie produzieren Nachwuchstalente. Woran erkennt man Star-Potenzial?
Der Künstler muss Ausstrahlung und Musikalität haben. Für mich ist wichtig, dass die betreffenden Personen sich wohl fühlen. Ich hab ja nix davon, wenn ich ein Duo kreiere, das super erfolgreich wird, aber hinter den Kulissen immer Streit hat und man bei jeder PR-Aktivität Bauchschmerzen hat. Und die Leute müssen die nötige Disziplin und Biss mitbringen. Ich hatte schon öfter junge Leute da, deren Vertrag ich wieder zerrissen hab. Viele Nachwuchskünstler haben eine falsche Arbeitsauffassung. Im Zeitalter der öffentlichen Castings gibt's viele, die denken, "Och, ich kann ja auch nett singen, was der im Fernsehen kann, kann ich auch." Erfolg hat nicht nur mit einer guten Stimme zu tun. Präsenz, Stimme und Ausstrahlung müssen abrufbar sein, das ist die Leistung.

Sind Sie für sich selbst ein Star?
Nein, die Öffentlichkeit macht dich zum Star. Wenn ich morgens aufstehe, mir vorm Spiegel die Zähne putze, hab ich weiß Gott kein Star-Empfinden. Trotzdem habe ich diese Professionalität; Sie können mich nachts um 4 wecken, nach einer Schrecksekunde könnte ich raus auf die Bühne gehen und meine Show machen.

Gibt's eine Situation, in der Sie Ihr MT-Image total genervt hat?
Eine Radiostation hat eine Solo-Single von mir mal nicht gespielt, weil ich Thomas Anders war. Obwohl sie den Titel als Weißpressung (anonyme CD, Anm. der Red.) in ihre Playlist aufgekauft hatten. Als sie erfuhren, dass der Titel von mir ist, haben sie ihn wieder rausgenommen. Modern Talking hat meine Karriere als Thomas Anders nicht unterstützt.

Szenario: Sie sitzen mit Ihrem 15-jährigen Sohn beim Sonnenuntergang am Meer. Was erzählen Sie ihm zum Thema Glück?
Glück ist ein sehr flüchtiges Gut, das man nur im Moment empfinden kann. Es bedeutet, mit sich im Reinen zu sein. Glück kann überall sein, man muss es nur sehen wollen. Man kann sich das Leben schwer machen oder auch nicht. Ich sehe immer das Gute in allem. Alleine mit meinem Sohn bei Sonnenuntergang am Meer zu sitzen, ist schon ein Glücksmoment.

Wie viel arbeiten Sie? Wie sieht ein typischer Tag aus?
Spätestens um 9 sitze ich im Büro und mache meine Post. Ich beantworte Faxe, die ganzen Anfragen, von Charity-Geschichten über Schirmherrschaften, die ich übernehmen soll, Reisepläne für die nächste Tour, Fernsehaufzeichnungen. Dann bin ich meistens im Studio irgendwas am Arbeiten. Die nächsten drei Wochen hab ich überhaupt keinen freien Tag. Was man im Fernsehen sieht, macht vielleicht 10 Prozent von dem aus, was ich wirklich arbeite. Da ich sehr lange in der Branche bin, kontrolliere ich alles. Ich gebe nichts aus der Hand, was mir wichtig ist. In den Supermarkt einkaufen gehen, ist mir relativ egal. Aber über alles, was meinen Job, meine Finanzen und meine Familie betrifft, bin ich 5000 % im Bilde.


HERR ANDERS IN KURZFORM:

Ich bin anders, weil ...
ich anders heiße, was nicht heißen soll, dass ich anders bin.

Schlechter Geschmack ist ...
weiße Tennissocken zum Anzug tragen, unhöflich sein.

Die Deutschen sehen in mir ...
mit Sicherheit nicht alle Facetten.

Meiner Mutter erzähle ich am Telefon am liebsten davon ...
dass es mir gut geht. Im Moment interessiert sie sich aber nur noch für den Kleinen.

Unter der Dusche singe ich ...
überhaupt nicht.

Humor ist ...
wenn man über sich selber lachen kann.

Die unangenehmste Eigenschaft meiner Branche ist ...
die Business-Lüge "The check is in the mail".

Mein Image finde ich ...
ausbaufähig.

Das Schönste am Erfolg ist ...
dass man in Lokalen immer die besten Tische bekommt.


Wir bedanken uns recht Herzlich für das Copyright des Interviews bei Josefine Huber

Wir erteilen kein Copyright für das Interview und das Foto
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